Gegenwärtig erscheint auch im Bibliothekswesen allzu viel noch im Fluß, um einen Rückblick auf das halbe Jahrhundert zu wagen, währenddessen die AKThB, kontinuierlich wachsend, das kirchliche Leben begleitet hat.
Die unter Federführung Bayerns sich allmählich abzeichnenden Strukturveränderungen im staatlichen Bibliothekswesen laufen unter dem aktuellen Einsparungsdruck auf eine starke Betonung der zentralen Dokumentlieferdienste und eine daraus folgende Personal- und bei den Neuerwerbungen eine Sachmitteleinsparung hinaus, die insbesondere die Regional- und Spezialbibliotheken in ihrem Bestand bedroht. Da die Dokumentlieferdienste in teilweise erheblichem Umfang kostenpflichtig sind, ergibt sich daraus einerseits eine zunehmende Beanspruchung kirchlicher wissenschaftlicher Bibliotheken, andererseits wird der Investitionsdruck spürbar, unter dem kirchlich-wissenschaftliche Bibliotheken zunehmend stehen. Weder die technische Ausstattung der kirchlichen Bibliotheken, noch der Kenntnisstand im Umgang mit der digitalen Technik sind bislang ausreichend Allgemeingut geworden.
Wenn die kirchlichen Bibliotheken in ihrer Zahl und Leistungsfähigkeit erhalten werden können, werden sie im nächsten Jahrhundert eine wesentliche Rolle für den Erhalt der wissenschaftlichen Infrastruktur in Deutschland spielen.
Die Mitgliedsbibliotheken für ihre alltägliche Dienstleistungsaufgaben fit zu halten gehört zu den nicht endenden Aufgaben des Verbandes, die er gestützt vor allem auf die Solidarität und das Engagement der größeren, besonders leistungsfähigen Bibliotheken und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahrnimmt.
1999 Jahrestagung
Gerade den kleineren Bibliotheken galt die diesjährige Fortbildungstagung der AKThB an ihrem Gründungsort, der Frankfurter Philosophisch-theologischen Hochschule St. Georgen. Rund 100 Teilnehmer besuchten die Veranstaltungen der Tagung. Die Effizienz bibliothekarischer Geschäftsgänge und Dienstleistung der vor allem im Bereich der Klosterbibliotheken verbreiteten OPLs (One-person-libraries) standen im Mittelpunkt. Für die kirchlichen Bibliotheken stellen die amerikanischen Management-Theorien eine besondere Herausforderung dar und wurden auch dementsprechend kontrovers diskutiert. Die bibliothekarische Dienstleistung stützt sich dabei nicht nur auf den tatsächlich vorgehaltenen Buchbestand sondern zunehmend auf die virtuelle Bibliothek im Internet und den Verbünden. Bereits in der Terminologie spiegelt sich dabei das Bemühen, die Bibliotheken als Zuschußunternehmen zu verschleiern, etwa wenn aus dem Leser, dem Benutzer, der "Kunde" wird. Diesem Bild des Bibliothekars als Informationsdienstleister stand in der Diskussion, meist in der gleichen Person zusammengeführt, das Bild des "Wächters der Bücher" gegenüber, d.h. der (kirchliche) Bibliothekar als die Benutzung der Bibliothek strukturierendes Element (Die Diskussion wird ähnlich gegenwärtig ja auch in der Pastoral geführt).
Als Reaktion auf die um sich greifenden Sparhaushalte wurde auch mit Firmenvertretern die mögliche Verlagerung bibliothekarischer Dienstleistung an spezialisierte Wirtschaftsunternehmen diskutiert. "Outsourcing" zeigte sich dabei wohl als langfristige Perspektive, als mittelfristig von kleineren Einheiten allerdings noch nicht finanzierbar.
Die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksinstitut Berlin und Der Deutschen Bibliothek Frankfurt und Leipzig verhinderte, daß die Diskussion den Bezug zum realen deutschen Bibliothekswesen verlor. Der unerläßliche Umgang mit den neuen Medien freilich machte den enormen Schulungsbedarf deutlich. Wir werden versuchen, darauf mit der nächsten Jahrestagung zu reagieren.
Mitteilungsblatt der AKThB
Angesprochen werden muß ein Unsicherheitsfaktor der weiteren Planung, das Mitteilungsblatt. Als Kommunikationsorgan der Verbandsmitglieder untereinander und als Mittel der Darstellung kirchlichen Bibliothekswesens nach außen konnte sich das Blatt in den vergangenen 46 Jahren allmählich durchsetzen und repräsentiert mit seinen inzwischen rund 500 Abonnenten einen beträchtlichen Einfluß. Nach jahrelanger erfolgreicher Arbeit hat die herausgebende Bibliothek nun den Auftrag zur Herausgabe zurückgegeben, da die interne Konzeption andere Arbeitsschwerpunkte fordert. Die anhaltend ungewisse Finanzierung des Jahrbuchs und die unter diesen Bedingungen nicht mehr mögliche Belastung einer einzelnen Bibliothek stellt die AKThB vor ein bislang nicht gelöstes Problem. Daher ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unklar ob das Mitteilungsblatt 2000 erscheinen kann. Die Mitgliederversammlung hat ein Gremium von 8 Herausgebern beauftragt, die Zukunft des Jahrbuchs sicherzustellen. Hier werden wir Hilfe brauchen.
Jahrestagung 2000
Das Jubiläumsjahr 2000 verlangt auch den kirchlichen Bibliothekaren besondere Bemühungen ab und gestattet den Versuch, die Jahrestagung umfangreicher und dabei von der Teilnehmerzahl, vom zeitlichen Umfang wie vom Einsatz der Mittel her effizienter zu gestalten.
Nach der im Entwurf einer neuen Leihverkehrsordnung neuerlich erprobten Zusammenarbeit und in der Überzeugung, daß uns mit den Kollegen im Bibliotheksdienst der evangelischen Kirche mehr verbindet, als mit den Bibliothekaren im öffentlichen Dienst, beschlossen die Mitglieder, die Jahrestagung 2000 gemeinsam mit dem Verband der wissenschaftlichen Bibliotheken in Trägerschaft der evangelischen Kirche (VkwB) auszurichten. Sie wird auf Einladung der Benediktinerinnen-Abtei in Frauenwörth/ Chiemsee stattfinden. Die genauen Fortbildungsinhalte werden in den nächsten Wochen erarbeitet.
12.10.1999 Jochen Bepler