
Am 11. Juni 2002 starb im Alter von 73 Jahren nach längerer Krankheit Schwester M. Irene Schneider OCist, langjährige Bibliothekarin und Archivarin der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal in Landshut.
Im Leben von Schwester Irene, vielseitig begabt und mit zahlreichen Talenten gesegnet, verlief längst nicht alles so geradlinig, wie man es erwarten könnte, sondern es gab unvorhersehbare Ereignisse und einschneidende Wendepunkte.
Geboren wurde sie am 24. Juli 1928 in Altbelgern bei Mühlberg an der Elbe als ältestes Kind des evangelischen Pfarrers Karl Schneider. Gegen Ende des Krieges wurde die Familie aus Schlesien vertrieben, die Flucht, bei der sie sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern musste, hinterließ bei ihr tiefe seelische Spuren und belastete ihre Jugendzeit sehr.
Irene kam nach Landshut, wo sie ihre in Görlitz begonnene Gymnasialzeit beenden konnte. Musik zu studieren wäre ihr Traum gewesen und hätte ihrer musikalischen Begabung sehr entsprochen. Dies ließ sich in der Nachkriegszeit nicht verwirklichen, stattdessen studierte sie Sozialarbeit an der Evangelisch-Lutherischen Diakonissenanstalt in Neuendettelsau.
Es folgten Tätigkeiten in der sozialen Frauen- und Mädchenarbeit im Hilfswerk der Inneren Mission als auch – nach ihrer Konversion am 28. Februar 1958 – in verschiedenen Einrichtungen der katholischen Kirche.
Eine Zeitlang war sie Familiarin und Oblatin von Seligenthal, trotz ihrer großen Verbundenheit mit ihrer Familie bat sie schließlich am 8. Dezember 1979 um Aufnahme in das Kloster, Profess legte sie am 1. Februar 1981 ab.
Schwester Irene hatte sich im Lauf der Jahre ein enormes Wissen angeeignet, niemand im Haus wußte soviel über die Geschichte Seligenthals wie sie, auf vielerlei Gebieten war sie als Ratgeberin gefragt.
Zuletzt war sie bei der Jahrestagung 1996 in Freiburg i.Br. unter uns, gerne wäre sie 1998 nach Kloster St. Marienthal in die Oberlausitz gekommen, als unsere Tagung damals bei ihren Mitschwestern mit Exkursion nach Görlitz stattfand, aber wegen eines im Jahr zuvor erlittenenen Schlaganfalles konnte sie die Reise in ihre ehemalige Heimat nicht antreten.
Am 13. Juni fand Schwester Irene auf dem Klosterfriedhof der Abtei Seligenthal ihre letzte Ruhestätte, der Herr schenke ihr ewigen Frieden!
(Franz Wenhardt)