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Nachruf auf Prof. P. Dr. Paul Eisenkopf SAC † 2003

P. Paul Eisenkopf
Pater Eisenkopf 2003

Prof. P. Dr. Paul Eisenkopf SAC ist am vergangenen Freitag, dem 11. Juli 2003 gegen 22.00 Uhr, nach einem Herzinfarkt, den er kurz zuvor erlitt, verstorben.

P. Eisenkopf betreute neben seiner Professur für Fundamentaltheologie an der Hochschule der Pallottiner in Vallendar auch die dortige Hochschulbibliothek als deren Leiter. Er war von 1983 bis 1987 und von 1991 bis 1997 Delegierter der AKThB beim damaligen Conseil International (BETH). Von 1987 bis 1995 war er auch Stellvertretender Vorsitzender der AKThB. In den Jahren 1977 und 1986 organisierte er jeweils die Jahrestagung der AKThB in Vallendar. Wir verlieren mit ihm einen Kollegen, der ebenso kompetent wie liebenswürdig stets in Treue und Verbindlichkeit die Aufgaben wahrnahm, die ihm übertragen waren. Wir sind ihm für sein oft unauffälliges aber immer sehr hilfreiches und aufmerksames Engagement dankbar und werden sein Andenken in steter Erinnerung behalten.

Nachruf des H.H. Provinzials, P. Norbert Hannappel SAC:
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen.
Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu.
Ja, mein Erbe gefällt mir gut.
(Psalm 16, 5-6, Eingangsvers am Fest des hl. Benedikt)

Völlig überraschend starb unser Mitbruder am späten Abend des 11. Juli 2003. Er wurde 64 Jahre alt und war 42 Jahre Pallottiner und 37 Jahre Priester.

Paul Eisenkopf wurde am 9. Februar 1939 in Limburg, Bistum Limburg geboren. Seine Eltern waren Paul und Paula Eisenkopf, geb. Kuch. Zusammen mit seiner Schwester Ursula wuchs er in der St. Mariengemeinde auf. Von Ostern 1946 bis Ostern 1950 besuchte er die Volksschule in Limburg, danach bis zum Abitur am 24. Februar 1959 die Tilemannschule Limburg.

Am 1. Mai 1959 begann er mit der Einkleidung das Noviziat unserer Gemeinschaft in Olpe, legte am 25. April 1961 die erste Profess ab und am 25. April 1964 die Weihe auf Lebenszeit. Die philosophischen Studien begann er 1960 in Olpe und setzte sie an unserer Hochschule in Vallendar fort. Hier studierte er Theologie. Am 18. Juli 1965 wurde er in Vallendar durch Weihbischof Karl Schmidt, Trier, zum Priester geweiht. Von April 1966 bis zur Promotion am 18. Juni 1973 absolvierte er ein Aufbaustudium in Fundamentaltheologie in München. Seit dem Sommersemester 1973 war er Dozent für Fundamentaltheologie und - aushilfsweise - für Dogmatik an unserer Hochschule in Vallendar.

Am 1. September 1978 wurde er zum Professor ernannt. In der Leitung der Hausgemeinschaft war er von 1. Juli 1975 bis 1981 stellvertretender Rektor. Seit 1973 leitete er die wissenschaftliche Bibliothek der Hochschule. 1986 wurde er zweiter Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e.V. Koblenz, ab 1990 war er ihr erster Vorsitzender. Am 8. Mai 1994 erhielt er aus der Hand des Ministerpräsidenten Rudolf Scharping den Landesverdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.

Zurückkehrend von der Vorbereitung einer jüdisch-christlichen Woche, starb er unterwegs im Linienbus zwischen Bendorf und Vallendar um 22.00 Uhr am Festtag des hl. Benedikt.

Paul Eisenkopf blieb seiner Familie und der St. Mariengemeinde immer auf herzliche Weise verbunden. Unser Mitbruder P. Andreas Stock war in seinen Jugendjahren sein Seelsorger. Deshalb war es geradezu selbstverständlich, dass er in unser Noviziat in Olpe eintrat, um seinen Wunsch, Priester zu werden, in der Gemeinschaft der Pallottiner zu verwirklichen. Zielstrebig und erfolgreich absolvierte er das philosophisch-theologische Studium, auch das Aufbaustudium in München. Seine Dissertation: "Leibniz und die Einigung der Christenheit. Überlegungen zur Reunion der evangelischen und katholischen Kirche" zeigt sein starkes Interesse am Dialog, interkonfessionell und interreligiös.

30 Jahren lang war P. Dr. Eisenkopf Professor für Fundamentaltheologie und für Ökumenische Theologie an unserer Theologischen Fakultät in Vallendar. Ebenso lange leitete er die Bibliothek und gehörte zeitweise dem Vorstand der internationalen Arbeitsgemeinschaft katholisch-theologischer Bibliotheken an. Er war Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Dogmatiker und Fundamentaltheologen. Bei seinen Kollegen, bei den Studierenden und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Bibliothek war er gleichermaßen beliebt. Mit Kontinuität und Ruhe, die er ausstrahlte, hat er in den 30 Jahren seiner Verantwortung für die Bibliothek viel für das Ansehen der Bibliothek und ihrer Modernisierung geleistet. Er hatte die Gabe, ihm wichtige Dinge, für die er selbst nicht genug Sachverstand besaß, zu delegieren und zu begleiten. So ließ er den Bücherkatalog durch seine Mitarbeiter auf EDV umstellen, sodass die neueren Bibliotheksbestände auf CD-ROM einzusehen sind. Er liebte alte Bücher und konnte sie mit Freude bei Führungen als besondere Schätze zeigen.

Sein intensiver Arbeitseinsatz erstreckte sich weit über die Pallottinerhochschule hinaus. Er war sehr geschätzt als Referent und Diskussionspartner in theologischen Fernkursen, in der Lehrer- und Erwachsenenbildung und bei Veranstaltungen in Pfarrgemeinden.

Der besondere Schwerpunkt seines Wirkens galt der Ökumene. Er stand in regem Austausch mit allen christlichen Kirchen und Gemeinschaften im Koblenzer und Neuwieder Raum. Nicht nur mit Superintendent Schneidewind war er freundschaftlich verbunden. Für sein überregionales Engagement in der Christlich-Jüdischen Gesellschaft erhielt er 1994 den Landesverdienstorden. Von 1990 an war er 1. Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft. Seine Initiativen gingen dahin, die Bedeutung des Judentums für die Kirchen und für die Kultur unseres Landes bewusst zu machen und zu vertiefen. Dank seines Einsatzes wurde im Vallendarer Kirchpark ein Mahnmal für die jüdischen Opfer des Holocaust errichtet. Mit viel Zeit und Kraft pflegte er Kontakte zu den ehemaligen jüdischen Bürgern von Vallendar und Koblenz. Zusammen mit vielen Helferinnen und Helfern ermöglichte er, dass sie ihre frühere Heimat besuchen konnten.

P. Eisenkopf bleibt uns in Erinnerung als hoch begabter, kompetenter und geistreicher Theologe, als bescheidener, liebenswürdiger, zuverlässiger und heiterer Mitbruder, als eifriger und stets einsatzbereiter Seelsorger im priesterlichen Dienst. Mit seinem ausgeglichenen Wesen und seinem abgewogenen Urteil, besonders auch mit seinem Humor, seinem entwaffnenden Lächeln und seinen typischen geistreichen Eisenkopfschen Witzen konnte er manche Spannungssituation in der Gemeinschaft entschärfen und immer wieder Abwechslung und Freude hineinbringen. Auch in schwierigen Situationen blieb er guten Mutes. Es war schwierig, ihn zu beleidigen. Schmunzelnd und geschickt konnte er kontern. Sein leutseliges Wesen und der Umstand, dass er Anrempelungen mit Gelassenheit hinnehmen konnte, ließen ihn ausgleichend wirken.

Er war ein überaus wacher und hilfsbereiter Mitbruder, der das Gemeinschaftsleben schätzte. Auf sich selbst, seine Position, sein Äußeres legte er nicht allzu viel Wert. Er war ein Mann von Frömmigkeit, Treue und Demut.

P. Eisenkopf starb am Fest des heiligen Benedikt. Am frühen Morgen leitete er die Eucharistiefeier in der Hausgemeinschaft der Hochschule. Seine religiöse Tiefe und seine kulturell weit gespannte Offenheit kamen ganz im geistlichen Wort zum Ausdruck, mit dem er Gestalt und Bedeutung des heiligen Benedikt würdigte.

Wenn unser Dank zu kurz reicht, dürfen wir vertrauen, daß er bei Gott nun sagen kann: "Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu. Ja, mein Erbe gefällt mir gut."

Das Requiem für P. Paul Eisenkopf ist am 19. Juli um 10.30 Uhr in der Pallottinerkirche St. Marien in Limburg. Anschließend ist die Beisetzung auf dem Friedhof unserer Gemeinschaft. Ich bitte alle Mitbrüder, unseres Verstorbenen dankbar zu gedenken, wie es in den Provinzstatuten vorgesehen ist. Jeder Priester feiere eine heilige Messe für ihn.

Limburg, den 13. Juli 2003

(P. Norbert Hannappel SAC)

Provinzial

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