Friedhelm Hofmann, Bischof von Würzburg
Liebe Bibliothekarinnen und Bibliothekare, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den katholisch-theologischen Bibliotheken!
»Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt«. Dieser Kernsatz der Weihnachtsbotschaft über die Menschwerdung Gottes, der sich den Menschen offenbart, um sie zum ewigen Leben zu führen, wird nunmehr seit zweitausend Jahren von Generation zu Generation kontinuierlich weitergegeben und so für die Nachwelt bewahrt.
Für die Bewahrung und Vermittlung der christlichen Botschaft kommt gerade den kirchlichen Bibliotheken seit jeher eine bedeutende Rolle zu. Sie stellen das geistige Rüstzeug bereit, um sich mit der frohen Botschaft beschäftigen, sich mit ihr auseinanderzusetzen und sie über die Generationen weitergeben zu können. Damit leisten Sie einen wesentlichen Beitrag im Prozeß der Evangelisierung. Diese wichtige pastorale Funktion, die sich nicht auf die Texte der Hl. Schrift und der Kirchenväter beschränkt, sondern alles einschließt, was christliches Zeugnis und christliche Kulturarbeit berührt, wird selbst im innerkirchlichen Bereich nicht immer hinreichend zur Kenntnis genommen und gewürdigt. Doch der Unterhalt eines kirchlichen Bibliothekswesens darf nicht als »Luxus« betrachtet, sondern muss vielmehr als Notwendigkeit wahrgenommen werden, um den Missionsauftrag der Kirche adäquat erfüllen zu können.
An dieser Stelle möchte ich Ihnen für Ihren Einsatz im Dienste kirchlicher Verkündigung und wissenschaftlicher Forschung sehr herzlich danken. Ich freue mich besonders, Sie im kommenden Jahr zur gemeinsamen Jahrestagung der AKThB und VkwB in Würzburg begrüßen zu dürfen, nicht zuletzt deshalb, weil wir die Räumlichkeiten unserer Diözesanbibliothek in diesem Jahr erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich machen konnten.
Es segne Sie zum Fest der Geburt unseres Herrn der dreifaltige Gott, + der Vater und + der Sohn und + der heilige Geist.
Friedhelm Hofmann
Jahrestagung 2008 vom 21. bis 25. Juli in Fulda
Dr. Jäger hatte ein ausgezeichnet besetztes Vortragsprogramm zusammengestellt, das eine Fülle von Informationen und Anregungen bot zu Fragen des Altbestands, der Notfallplanung bis hin zur Digitalisierung. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bibliothek des Priesterseminars aufmerksam betreut, zeigten sich auch gänzlich unbeeindruckt von technischen Widrigkeiten bei der Exkursion nach Weimar, die einen aktuellen Einblick in die Bestände und Baulichkeiten der Anna Amalia Bibliothek mit ihrer neuen Identität »nach dem Brand« bot. Eine abendliche Attraktion war die heitere Rezitation von Manfred Kalin zu Eigenheiten des bibliothekarischen Berufs. Der Empfang durch Bürgermeister Dr. Dippel und, als ein Höhepunkt die Messe mit Bischof Heinz Josef Algermissen in der Bonifatiusgruft mit seiner anschließenden Einladung zu einem festlichen Mittagessen, rundeten das Programm ab. Einen ausführlichen Bericht können Sie hier nachlesen.
Einweihung der Diözesanbibliothek Würzburg
Am 12. November 2008 wurde die nun abschließend fertiggestellte neue Diözesanbibliothek Würzburg mit einem Festakt in der eigenwillig gestalteten Kirche des Würzburger Priesterseminars St. Michael eingeweiht. Die AKThB war durch den Vorsitzenden und die Vertreterinnen und Vertreter von Mitgliedsbibliotheken dabei und wurde auch in der Begrüßung von Generalvikar Dr. Hillenbrand und den abschließenden Dankesworten von Prof. Merz bedacht. Dabei wurde betont, dass die Eigenständigkeit der Bibliothek durch ihre Bindung mit dem Diözesanarchiv nicht beeinträchtigt, in ihrer Schlagkraft vielmehr durch die institutionelle Gemeinsamkeit gestärkt werden solle. Innerhalb der bereits gut ausgebildeten Würzburger Bibliothekslandschaft suche die Diözesanbibliothek ihren Erfolg vor allem durch die Synergieeffekte einer weitreichenden Vernetzung in Angebot und Beratung. Bischof Dr. Friedhelm Hofmann hob unter Bezug auf das Schreiben der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter, der er zeitweilig angehörte, die Bedeutung und auch pastorale Notwendigkeit eigener kirchlicher Bibliotheken hervor und sicherte ihr die nachhaltige Unterstützung zu.
In seiner Festrede äußerte sich Prof. Peter Walter (Freiburg) kritisch zur Auflösung kirchlicher Bibliotheken und charakterisierte vor allem die historischen Quellenbestände der Diözesanbibliothek. Er verband sie mit der besonderen Wertschätzung von liturgischer und Grauer Literatur als Eigengut kirchlicher Bibliotheken, die erst durch die Möglichkeiten der Internetrecherche ihre volle Wirksamkeit entfalten.
Johannes a Lasco-Bibliothek Emden
Nachdem die Johannes a Lasco-Bibliothek durch Verluste auf dem Aktienmarkt in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, hat die Leitung der Reformierten Landeskirche ein u. a. vom Kirchenpräsidenten und dem Direktor Dr. Walter Schulz ausgearbeitetes Sanierungskonzept abgelehnt und Herrn Dr. Schulz fristlos entlassen. Noch im September wurde schließlch Anzeige wegen Untreue erstattet, die fristlose Kündigung zurückgenommen und mit diesem Vorwurf neu ausgesprochen.
Die Vorsitzenden des VkwB Armin Stephan, der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken der evangelischen Kirche Andreas Häusler und der AKThB Jochen Bepler haben in einem offenen Brief an die Kirchenleitung die Verdienste von Walter Schulz für das kirchliche Bibliothekswesen hervorgehoben und ihre Sorge um den Bestand der Johannes a Lasco-Bibliothek ausgedrückt. In seinem Antwortschreiben verwies der Kirchenpräsident Jann Schmidt auf die desolate finanzielle Lage der Stiftung, betonte aber zugleich die Bedeutung der Johannes a Lasco-Bibliothek und das Bemühen der Evangelisch-reformierten Kirche um ihren Erhalt.
Der Vorgang wird im nächsten Jahrbuch Kirchliches Buch- und Bibliothekswesen, das im Frühjahr erscheinen wird, dokumentiert
Änderung bei der Jahresbibliographie des Jahrbuchs
Die Jahresbibliographie im Jahrbuch »Kirchliches Buch- und Bibliothekswesen« wird künftig von Frau Emmerich-Barke, Frau Erchinger, Frau Koch und Frau Meter bearbeitet werden. Schicken Sie also bitte die Meldungen der Publikationen für das Erscheinungsjahr 2008 nach Frankfurt/Main (Frau Koch) bzw. nach Bielefeld (Frau Emmerich-Barke). Die Adressen sind auf den beigefügten weißen Kopiervorlagen bereits eingetragen.
Frau Dr. Feige und Herrn Dr. Frels ist mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich zu danken, dass sie diese feste Rubrick des Jahrbuchs aufgebaut und jahrelang betreut haben.
Die Jahresbibliographie ist ein wichtiger Beitrag für unsere Außendarstellung und zugleich eine Bestellhilfe für die Kolleginnen und Kollegen. Bitte fragen Sie auch bei Ihrem eventuell benachbarten Archiv oder dem Museum nach, damit wir als Bibliothekarinnen und Bibliothekare ein möglichst vollständiges Spektrum wissenschaftlicher Publikationen aus dem Kreis des kirchlichen kulturellen Einrichtungen geben können.
P. Dr. Ruf OSB, Kloster Schäflarn verstorben
Am 20.10.2008 verstarb plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Treppensturzes der langjährige Direktor des Gymnasiums, Bibliothekar und Custos Ecclesiae Pater Dr. theol. Martin Ruf OSB von der Benediktinerabtei Schäflarn. Am Begräbnis am 27.10.2008 haben Prälat Benker, Fr. Hieronymus/Ettal, Dr Walko und Franz Wenhardt teilgenommen
Neuaufnahmen in Fulda
Auf der Mitgliederversammlung der Jahrestagung in Fulda wurden die folgenden beiden Bibliotheken aufgenommen:
Die Leiterin, Frau Dr. Karin Schamberger, stellte ihre Bibliothek kurz vor. Sie umfasst rund 140.000 Werke, die gegenwärtig von drei Bibliothekaren mit dem Programm Alphino erfasst werden. Außerdem werden von der Bibliothek die regionalhistorishe Sammlung der »Josef-Lahnsteiner-Salisburgensien« mit ca. 9600 Titeln und die diözesane Priesetrhausbibliothek mit ca. 110.000 Bänden verwaltet. Die Diözesanbibliothek verfügt über einen wertvollen Altbestand und pflegt in den Neuerwerbungen besonders die theologischen und historischen Fächer.
Die Bibliothek des Klosters umfasst gegenwärtig rund 48.000 Bände. Sie entstand mit der klostergründung 1626, hatte aber seither, während des Exils in Frankreich, des Kulturkampfes und bei Auslagerungen im Zweiten Weltkrieg, schwere Verluste hinzunehmen. Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der theologischen Literatur. Der Bestand ist in einem konventionellen Zettelkatalog erschlossen.
Gemeinsame Jahrestagung 13. - 17. Juli 2009 in Würzburg
Die nunmehr vierte gemeinsame Jahrestagung der evangelischen und katholischen kirchlichen Bibliotheken wird vom 13. bis 17. Juli 2009 mit der Diözesanbibliothek als Gastgeber in Würzburg stattfinden. Das mit den Vorständen von VkwB und AKThB abgesprochene Programm mit Prof. Merz widmet sich in einer ersten Arbeitseinheit der historischen Typologie kirchlicher Bibliotheken und, vor dem Hintergrund aktueller konzeptioneller Überlegungen, ihrem kulturellen Quellenwert.
In einem zweiten Abschnitt wird die regionale Vielfalt kirchlicher Bibliotheken in einer Exkursion erkundet. Als dritter Schwerpunkt schließlich wird die anstehende Umstellung des bibliothekarischen Regelwerks in einem umfangreichen Workshop bearbeitet werden.
Bibliothekartag 2009
Der Bibliothekartag findet vom 2. - 5. Juni 2009 in Erfurt statt. Die kirchlichen Bibliotheken werden wieder mit einer eigenen Veranstaltung vertreten sein. Ort und Gegenstand der Veranstaltung werden rechtzeitig über die Internetseite von AKThB und VkwB bekannt gemacht.
ATLA/S-Konsortium
Derzeit laufen die Verhandlungen über die Verlängerung des ATLA/S-Konsortiums mit der Firma EBSCO. Im Moment sind es neun Bibliotheken, darunter sogar eine skandinavische und eine französische, die sich dem Konsortium angeschlossen haben.
VkwB-Fortbildungslehrgang 2009/2011
Der Verband kirchlich-wissenschaftlicher Bibliotheken bietet 2009 wieder einen Fortbildungslehrgang für Mitarbeiter in kirchlich-wissenschaftlichen Bibliotheken ohne fachliche Qualifikation an. Der Kurs vermittelt das für die Alltagspraxis relevante bibliothekarische Basiswissen.
Der Lehrgang umfasst insgesamt drei Wochen, die sich auf drei Jahre verteilen. Die erste Kurssequenz findet vom 13. - 18. September 2009 im Religionspädagogischen Zentrum Heilsbronn statt. Das Religionspädagogische Zentrum und das angegliederte Tagungshaus ist in einem ehemaligen Zisterzienser-Kloster angesiedelt.
Anmeldungen und Rückfragen richten Sie bitte an Armin Stephan.
Jahrestagung der Bundeskonferenz der kirchlichen Archive in Deutschland
Die Bundeskonferenz der kirchlichen Archive hielt ihre diesjährige Jahreskonferenz vom 10. bis 12. November 2008 im Roncalli-Haus in Magdeburg ab. Der AKThB-Vorsitzende hatte Gelegenheit zu einem Grußwort:
»Sehr geehrter Herr Dr. Wurster, sehr geehrte Damen und Herren,
ich denke Ihnen für die Gelegenheit zu einigen wenigen Bemerkungen. Für Ihren Verband gab uns Prof. Ammerich in Fulda die Ehre. Wie wir uns das anhaltende Interesse der Archivarinnen und Archivare wünschen, so hoffe ich auch, dass mit meinem Auftreten bei Ihnen eine allmähliche Gewöhnung eintritt, damit ein leibhaftiger bibliothekar Gast in Ihrem Kreis sein kann.
Mit der Annäherung der Wissenschaftlichen Bibliotheken an das Selbstverständnis der Öffentlichen Bibliotheken seit dem Zweiten Weltkrieg sind Archive und Bibliotheken konzeptionell auseinander gedriftet.
Das wäre kein Beinbruch, wenn wir nicht im vergleichsweise engen politischen und finanziellen Raum der Kirche gemeinsame Interessen zu wahren hätten. Wobei ich Archive in ihrem Selbstverständnis zunächst als Kulturträger und dann erst als rechtlich bestimmte Einrichtungen betrachte, auch wenn ihr Alltagsgeschäft diese Sichtweise relativieren mag.
Die Kirche ist seit nunmehr auch schon 10 Jahren unter Einsparungsdruck in einem Prozess der Selbstvergewisserung befangen. Bei der Bestimmung von Kernaufgaben der Kirche, das hat der Öffentliche Dienst vorgemacht, geraten gerade die kulturellen und historischen Einrichtungen erheblich unter Druck. Das verlangt eine nachhaltige Annäherung und gegenseitige Unterstützung unserer beiden Einrichtungssorten.
Zunächst fachlich haben Archive und Bibliotheken eine Fülle gemeinsamer Lernfelder, angefangen bei Benutzungsordnungen, Urheberrechtsfragen und Konservierungsproblemen wie Entsäuerung oder Langzeitarchivierung von Datenträgern, bis hin zu Internetauftritt und -navigation, Kassationskriterien oder dem bibliothekswissenschaftlich noch jungen Gebiet der Bucharchäologie, das methodisch von den Archiven profitiert.
Um aber allgemeiner eine kulturelle und das ist vor allem: historische Perspektive und Legitimation der Kirche zu wahren, müssen Archive und Bibliotheken zu einer selbstvertändlichen Loyalität und Solidarität finden. Ich werbe hier also für etwas wie einen nachhaltigen wechselseitigen Konsultationsprozess auf lokaler und auf Verbandsebene. Das gibt es schon, aber längst nicht genug.
Da wir alle ausreichend zu tun haben, meint das noch keine zusätzlichen Gremien oder ähnliches. das findet sich vielleicht. Es meint jedoch den kommunikativen Mehraufwand zum wechselseitigen Heraushelfen aus institutioneller, fachlicher oder politischer Selbstgenügsamkeit. Dafür hoffe ich auf Ihrer aller Unterstützung«.