Weihnachten 1992:

 

"Sehet, ein Kind wird euch geboren..."

 

Ausgewählte Weihnachtsmotive des 15. bis 17. Jahrhunderts

aus dem Bestand der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn

im Hause der Deutschen Bank AG - Filiale Paderborn

 

 

Das Weihnachtsgeschehen in Bildern des 15. bis 17. Jahrhunderts

 

Das Weihnachtsfest bot seit eh und je eine Gelegenheit, die Geschehnisse um die Geburt Christi herum bildlich darzu­stellen. Insbesondere in früheren Jahr­hunderten waren solche Bilder neben der Predigt die einzige Möglichkeit, größere Bevölkerungsschichten, die noch nicht le­sen und schreiben konnten, mit den Glau­benswahrheiten bekannt-zumachen.

Mit der Ausstellung "Sehet, ein Kind wird euch geboren ..." will die Erz­bischöfliche Akademische Bibliothek aus ihrem Bücherschatz eine kleine Auswahl von Darstellungen rund um das Weih­nachtsfest päsentieren, die aus dem 15. bis 17. Jahrhundert stammen. Vor allem sind Bildmotive aus der Spätgotik und der Rennaissance vertre­ten, unter anderem mit den beiden Dü­rerschülern Hans Springinklee und Hans Schäuffelin, die sich in Gestaltung und Ausdruck völlig von der Holzschnitt­kunst der Halberstädter, bzw. Kölner Bibel oder den Druckermar­ken des Martin von Werden und des Hermann Bungart von Kettwich unter­scheiden.

Eine besondere Stellung in der Ge­schichte der privaten Frömmigkeit nah­men die Stundenbücher ein, die ihre große Zeit als reich illuminierte Hand­schriften in der Gotik hatten. Aber es gibt auch noch in der Zeit des Buch­drucks diese "Laienbreviere", die nun mit einer Vielzahl von qualitativ oft hochstehenden Holzschnitten ge­schmückt wurden. Als Beispiel für ein solches Stundenbuch ist das Horarium des Adriaen van Liesfelt ausgestellt, des­sen reicher Holzschnitt­schmuck durch­gehend von zeitgenössi­scher Hand kolo­riert ist.

Aber auch Kunst aus dem Paderbor­ner Land wird gezeigt: In einer Hand­schrift, die um 1450 im Augustiner­chorherrenstift Böddeken entstand, ist die Verkündigung Jesu durch den Erzengel Gabriel an Maria dargestellt.

Das "jüngste" Ausstellungs­stück ist ein Reisebericht ins Heilige Land, der wohl um 1650 verfaßt wurde und der auch in einigen handgezeichneten Kar­ten die Gegend um Jerusalem, Bethle­hem und Nazareth vorstellt.

Neben den Miniaturen und Zeichnun­gen ist vor allem der Holz­schnitt die Technik der damaligen Zeit für die Illu­strationen in den Büchern. Daneben ist auch in einem Beispiel die Technik des Metallschnittes zu sehen, der wegen der schwierigen Bearbeitung der Metallplatten äußerst selten ver­wandt wurde.

Weihnachtsmotive jedoch sind nicht nur in Bü­chern, sondern auch auf ihnen zu sehen: Auf einem kleinen, aber sonst prächtigen Einband ist ein für die Re­naissance typi­scher Platten-Prä­gestempel aufgebracht, der in Gold das Weihnachtsgeschehen darstellt, darum herum sind schöne Or­namente zu sehen, die Vorder- und Rüc­kendeckel ganz überziehen.

Mit dieser Ausstellung soll dem Besu­cher Gelegenheit geboten werden, weih­nachtliche Motive kennenzulernen, die sonst in den Büchern verschlossen sind und auch nur selten in Abbildungen be­gegnen.

 

 

Die ausgestellten Bücher

 

Horarium secundum romanae curiae. Antwerpen: Adriaen van Liesfelt, 1494.

 

Bonaventura, Sanctus: Tractatus de preparatione ad missam. Köln: Martin von Werden, 1507.

 

Bertoldus: Horologium devotionis circa vitam Christi. (Zeitglöcklein des Lebens und Leidens Chri­sti, lateinische Fas­sung). Köln: Ulrich Zell, 1488.

 

Petrus von Ravenna: Compendium iuris canonici. Köln: Hermann Bungart von Kettwig, 1507.

 

Lateinische Bibel. Nürnberg: Anton Koberger, 1520.

 

Hortulus animae. Nürnberg: Friedrich Peypus, 1519; verlegt von Johann Kober­ger.

 

Missale Romanum. Lyon: Jacobus Sachon, 1515.

 

Reisebeschreibung ins Heilige Land: Lux compendiosa ter­rae sanctae. Papierhandschrift eines un­bekannten Pilgers aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit handgemalten Karten, Plä­nen, Grundrissen und Ansichten der heiligen Stätten.

 

Ludolf von Sachsen: Vita Jesu Christi. Lyon: Stephan Gueynard, um 1510.

 

Friedrich von Spee: Trutz-Nachtigall. Köln: Im Verlag Wilhelmi Friessems, Buchhändlers in der Tranckgasse im Ertz-Engel Gabriel, 1660.

 

Das erste Paderborner Gesangbuch in dritter Auflage:

Christlich Catholisch Gesangbuch, in welchem auf alle Fest und Zeiten des gantzen Jahrs...sehr viel Catholische mit schönen Melodeyen gezierte Gesänge begriffen. Paderborn: Heidenreich Ponta­nus, 1628.

 

Johann Leisentrit: Geistliche Lieder und Psalmen. Bautzen, 1567.

 

Caesarius Monachus: Homliliarius de tempore. Pergamenthandschrift aus dem Augustinerchorher­renstift Böd­deken, um 1450.

 

Horarium Windeshemense. Niederlande: Hugo Janszoon van Woerden, um 1503.

 

Breviarium Ordinis Praedicatorum. (Brevier des Dominikaner­ordens.) Venedig: Lucas Antonius de Giunta, 1508.

 

Jacobus de Voragine: Passional oder Gulden Legende (Legenda aurea, niederländisch). Antwerpen: Heinrich Eckert von Homberch, 1505.

 

Halberstädter Bibel. In niederdeutscher Sprache. Halberstadt: Lorenz Stuchs, 1522.

 

Plenarium: Dat Boek des hyllighen Ewangelij, Profecien unde Epistelen. Basel: Adam Petri, 1513.