Vorsitz: Dipl.-Bibl. Franz Wenhardt, Bibliothek der Redemptoristen, 83536 Gars am Inn
Tel. 08073 388227
Fax: 08073 388300
e-Mail: Bibliothek der Redemptoristen
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
das Jahr 2009 neigt sich seinem Ende zu, mit dem vorliegenden Rundbrief für die Landesgruppe Bayern innerhalb der AKThB möchte ich wieder wichtige Ereignisse Revue passieren lassen, Sie über Neuigkeiten informieren und Ihnen einen Ausblick auf die kommenden Monate geben.
Auf Initiative und Einladung von Dr. Peter Pfister, Direktor der Diözesanbibliothek des Erzbistums München und Freising, kamen Vertreter von sechs bayerischen Diözesanbibliotheken am 24. März 2009 im Sankt-Ulrichs-Haus in Augsburg zu einem eigenen Spartentreffen zusammen, um gemeinsame Fragestellungen und Probleme zu besprechen.
Unter anderem ging es um die rechtliche Situation dieser Bibliotheken, Entwürfe von Dekret, Satzung und Benutzungsordnung für München wurden von Dr. Pfister verteilt und in der Runde kurz diskutiert, schriftliche Stellungnahmen sind bis Ostern erbeten worden.
Die Vertretung in überregionalen Organisationen, die Teilnahme an Verbünden, eine Einbindung in den OPAC der UB am Ort, auch die geplante Realisierung eines Online-Kataloges von »Kirchlich-wissenschaftlichen Bibliotheken in Bayern« (KwBiB) stand ebenfalls auf der Tagesordnung.
Die von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedeten »Leitlinien zur Bewahrung von gefährdeten kirchlichen Bibliotheksbeständen« sollen nun vor Ort von den Diözesanbibliotheken umgesetzt werden. Eine verstärkte Zusammenarbeit in Fragen der Bestandserhaltung, der Übernahme von Altbeständen z.B aus aufgelösten Ordensbibliotheken und beim Umgang bzw. der Verwertung von Dubletten (Schriftentausch) ist angestrebt. Das nächste derartige Spartentreffen auf bayerischer Ebene ist für den Herbst 2010 geplant, als Ort ist Bamberg vorgesehen.
Der berühmte Barocksaal der Freisinger Dombibliothek musste leider gesperrt werden, die Reinigung und Desinfizierung der vom Schimmelpilz befallenen Bände ist in vollem Gange, dazu wurde im Haus eine eigene Restaurierungs-Werkstatt eingerichtet. Auch das Mauerwerk des Barocksaals muss vermutlich saniert werden, auf absehbare Zeit sind deshalb keine Ausstellungen möglich.
Eine Arbeitstagung zu Fragen der Bestandserhaltung und Restaurierung, die u. a. hier gemachte Erfahrungen zum Thema haben soll, ist für den 21. April 2010 in Freising vorgesehen, eine Einladung mit genauem Programm wird zu gegebener Zeit erfolgen.
Betont werden muss, dass diese Sanierungsarbeiten nur den Barocksaal betreffen, die eigentliche Dombibliothek ist normal geöffnet, eine Benutzung vor Ort (Lesesaal), die Ausleihe für eingeschriebene Benutzer und die Fernleihe - natürlich auch im kirchlichen Leihverkehr - bleibt möglich.
Unsere Jahrestagung fand vom 13. bis 17. Juli 2009 in Würzburg (Exerzitienhaus Himmelspforten) statt gemeinsam mit den Kollegen vom evangelischen »Verband kirchlich-wissenschaftlicher Bibliotheken« (VkwB). Höhepunkt war ein Empfang von Diözesanbischof Friedhelm Hofmann mit abschließendem Abendessen. Ein Bericht incl. Fotos befindet sich auf der Homepage der AKThB. Dank gebührt Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg – in erster Linie Prof. Dr. Johannes Merz und Frau Nikola Willner - für die vortreffliche Organisation der Tagung.
Die nächste AKThB-Jahrestagung wird vom 6. bis 10. September 2010 in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Stuttgart-Hohenheim stattfinden. Der Vorsitzende wird dazu in seinem Rundbrief Näheres vermelden.
Der bei unserer Landesgruppen-Sitzung im Rahmen der Jahrestagung in Würzburg geäußerte Vorschlag, analog zu anderen Landesgruppen eine Satzung bzw. Geschäftsordnung zu verabschieden, wird weiterverfolgt. Es wird sich hierzu eine kleine Arbeitsgruppe bilden, die voraussichtlich im nächsten Frühjahr in München zusammenkommen wird, um einen Text auszuarbeiten.
Nach mehrjährigen Planungs- und Umbauarbeiten konnten die neuen Räume für die Bibliothek der Abtei Metten bei einem Festakt am 29. Juli 2009 vor rund 200 geladenen Gästen offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden. Professor Ulrich Hommes (Regensburg) hielt den Festvortrag mit dem Titel »Die Bibliothek als Heilstätte der Seele«.
Die Bibliothek bietet Stellfläche für etwa 300 000 Bände, im Freihandbereich sind ca. 20 000 Bücher aufgestellt, wo ein umlaufendes Lichtband mit kalligrafisch gestalteten Texten aus der Bibel, der Benediktusregel und der Papst-Enzyklika »Deus caritas est« einen besonderen Blickfang darstellt.
Die Mettener Klosterbibliothek, deren Bestände derzeit nach und nach in den Bayerischen Bibliotheks-Verbund eingearbeitet werden (zur Zeit sind rund 45.000 Titel nachgewiesen), soll in Zukunft stärker für die Öffentlichkeit - insbesondere für Lehrer und Schüler des Gymnasiums - zugänglich sein und qualitativ an die alte Barockbibliothek mit ihrem weltberühmten Bibliothekssaal anknüpfen.
Die ehemalige Religionspädagogische Zweigbibliothek München der Katholischen Universität Eichstätt (rund 90.000 Medien) ist jetzt in die Bibliothek der Katholischen Stiftungsfachhochschule integriert. In einer Feierstunde am 12. Oktober mit anschließender Segnung der neuen Bibliotheksräume wurde dieser Schritt offiziell vollzogen.
Die Bestandsdaten sind konvertiert worden und nun über den Bibliothekskatalog der Katholischen Stiftungsfachhochschule München recherchier- und ausleihbar, über eine Schnittstelle ist der religionspädagogische Bestand auch im Bibliotheksverbund Bayern (BVB) nachgewiesen.
In Kooperation mit dem Deutschen Katecheten-Verein und der Erzdiözese München und Freising konnte diese umfangreiche Sammlung von Literatur zur Religionspädaogik, Kirchlichen Bildungsarbeit und Praktischen Theologie in kirchlicher Trägerschaft erhalten werden und steht nun Studierenden und allen Berufspraktikern zur Verfügung.
Dr. Klaus-Walter Littger, langjähriger Leiter der Handschriften-Abteilung der UB Eichstätt und regelmäßig bei unseren Tagungen und Treffen anwesend, ging zum 30. September 2009 in den Ruhestand. Wir danken Herrn Dr. Littger für die zum Wohle unseres Verbandes geleistete Arbeit, sei es als engagierter Diskussionsteilnehmer oder als kundiger Referent, seine Nachfolgerin wird 2010 ihren Dienst antreten. Im Strafprozess vor dem Amtsgericht Ingolstadt um die angebliche Vernichtung von Büchern der 1999 aus Altötting übernommenen ehemaligen Zentralbibliothek der Bayerischen Kapuziner wurde die Direktorin der UB Eichstätt freigesprochen, das Verfahren wird aber nach Einspruch der Staatsanwaltschaft in die nächste Instanz gehen.
Der Text der oben schon erwähnten »Leitlinien zur Bewahrung von gefährdeten kirchlichen Bibliotheksbeständen«, die auf Initiative der AKThB heuer von der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedet wurden, kann im Internet auf der Website der AKThB eingesehen werden und ist im »Bibliotheksdienst« (Nr. 7/2009, Seite 711 – 715) sowie in den Amtsblättern verschiedener Diözesen abgedruckt.
Dort werden wichtige Punkte angesprochen, die man beachten sollte. Jedenfalls muss das Thema sensibel angegangen werden, weil es in Presse und Öffentlichkeit erheblichen Wirbel hervorrufen kann. Wer vor einer solchen Entscheidung steht, möge rechtzeitig unsere Arbeitsgemeinschaft als beratende Stelle kontaktieren, Veränderungen mitteilen und entsprechend dokumentieren lassen.
»David gegen Googliath« überschreibt die »Süddeutsche Zeitung« vom 17. November 2009 einen Artikel zum Digitalisierungs-Projekt des amerikanischen Suchmaschinen-Betreibers Google. Das Bundeskabinett hat nun die Einrichtung einer »Deutschen Digitalen Bibliothek« beschlossen, wo über ein einziges Portal ab 2011 die Datenbanken von 30.000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen erreichbar sein sollen. Jedenfalls stellt dieses Vorhaben, das eine »angemessene Antwort auf Google« sein soll, auch uns Bibliotheken vor neue Herausforderungen.
Eine besinnliche Rest-Adventszeit, friedvolle Weihnachten sowie Glück und Gottes Segen zum neuen Jahr, wo wir uns hoffentlich bei einer der Veranstaltungen wiedersehen werden, wünscht Ihnen
Franz Wenhardt
Sprecher der Landesgruppe Bayern der AKThB
Das Bistum Bamberg kann dieses Jahr sein 1000jähriges Bestehen feiern, die Bibliothek des Metropolitankapitels und des Priesterseminars Bamberg hatten aus diesem Anlass für den 16. Oktober zu einem Treffen eingeladen und 20 Kolleginnen und Kollegen waren gekommen.
Im Spiegelsaal des Erzbischöflichen Ordinariats begann der Tag nach der Begrüßung durch Maria Kunzelmann mit einer Gesprächsrunde zu aktuellen Themen. Die Dombibliothek Freising ist jetzt Teilnehmer im Bayerischen Bibliotheksverbund. Man hat bisher gute Erfahrungen gemacht, Sonderwünsche (Exlibris- und Provenienz-Nachweise, weitere Herausgeber, Illustratoren usw.) können berücksichtigt werden. Der Zettelkatalog ist derzeit außer Haus und wird eingescannt, die »Images« bilden die Grundlage für die Retrokonversion.
Münsterschwarzach plant ebenfalls ein solches Vorhaben, entgegen einer Presse-Meldung steht die EDV-Erschließung allerdings erst bevor. Generell kann gesagt werden, dass die Bestände kirchlicher Bibliotheken eine echte Bereicherung für den Verbund darstellen, nicht selten ist ein einschlägiger Titel erstmals nachgewiesen.
Die Bibliothek des Priesterseminars in Bamberg ist nach Abschluss der mehrjährigen Umbau- und Renovierungsarbeiten in ihr altes Domizil am Heinrichsdamm zurückgekehrt. Die Regalanlage stammt von Zambelli, die Bibliothekseinrichtung von der EKZ Reutlingen (kurzer Text und Abbildungen im »Report Bibliothekseinrichtungen« der EKZ vom August 2007).
Bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hat sich jetzt ebenfalls eine Arbeitsgemeinschaft von Archiven, wissenschaftlichen Bibliotheken und der Medienzentrale gebildet, die als Ansprechpartner gegenüber der Landeskirche fungieren soll. Der stellvertretende Sprecher Werner Jürgensen vom Landeskirchlichen Archiv in Nürnberg sagte, dass man sich auf dem nächsten Bayerischen Bibliothekstag am 14./15. Juli 2008 in Regensburg näher vorstellen will, eine enge Zusammenarbeit mit der Landesgruppe Bayern der AKThB und staatlichen Stellen ist angestrebt.
Das Heft 3/2007 von »Bibliotheksforum Bayern« (BFB), in dem ein kurzer Bericht über die Jahrestagung in Freising abgedruckt ist, wurde herumgereicht, unsere jährliche Statistik wird in der Nr. 4/2007 abgedruckt sein.
Bei der nachfolgenden Führung durch den imposanten Bamberger Dom erklärte Domkapitular Luitgar Göller vor allem das Hochgrab des Kaiserpaares Heinrich und Kunigunde, den Bamberger Reiter, das Grab von Papst Clemens II. im Westchor sowie die Krypta.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen stand als Höhepunkt unseres Treffens eine Führung durch die Jubiläumsausstellung »Unterm Sternenmantel« auf dem Programm, die von Walter Milutzki gehalten wurde. In den Räumen des Diözesanmuseums wird die Geschichte des Bistums Bamberg anhand zahlreicher Exponate, die teilweise im Zuge der Säkularisation wegkamen und jetzt als Leihgaben zurückgekehrt sind, von der Gründung im Hochmittelalter, über die Barockzeit, der Aufhebung von Hochstift und Fürstbistum 1802/03 über das 19./20. Jahrhundert bis zur Gegenwart lebendig.
Prof. Dr. Werner Taegert, Direktor der Staatsbibliothek Bamberg, führte uns anschließend durch die beeindruckende Ausstellung von Handschriften und Frühdrucke seines Hauses mit dem Titel »Liturgische Bücherpracht«.
Zurück im Spiegelsaal endete mit einem Dank an die Gastgeberin Maria Kunzelmann und an das Bistum Bamberg unser Landesgruppentreffen.